loop -
Raum für aktuelle Kunst
&
Guestroom
Heeresbäckerei Berlin
2004


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Away game
Auswärts spielen, das Thema der Ausstellung „no
risk no glory“ öffnet Möglichkeiten, jenseits
fester Vorstellungen zu experimentieren und sich auf unvorhergesehene
Schritte einzulassen.
Das Laboratorium ermöglicht eine offene Situation sowohl
im Mechanismus des Ausstellens als
auch im Produktionsprozess der Arbeiten selbst. Johanna Kirsch
und Katrin Plavcak, die die
Ausstellung kuratiert und organisiert haben, luden österreichische
KünstlerInnen in den
loop-raum für aktuelle kunst und den guestroom der heeresbäckerei
in Berlin Kreuzberg ein, zur riskanten Reise in die Randbezirke
ihres künstlerischen Schaffens. Die vorgegebene Thematik,
die keine ist, erlaubt es den KünstlerInnen, sich jenseits
der Festschreibung durch lokale Szenen
oder Positionsbegriffe kuratorischer Regimes zu versuchen.
Das Risiko, nicht ausgefeilte und
wenig überarbeitete Arbeiten zu präsentieren, ist
eine Herausforderung, die neue Fragen stellt an Produktionsprozesse
und einlädt zur kritischen Beobachtung des Stadiums,
in dem sich ein
Gedanke zu materialisieren beginnt.
In den gezeigten Arbeiten reagieren die KünstlerInnen
in unterschiedlicher Weise auf das Gefüge
von Exponat und Ausstellungspraxis. Diese Strategien zu dechiffrieren
ist dabei den
BesucherInnen überlassen, die ihrerseits das Risiko eingehen,
die gezeigten Arbeiten mit
Namen und Titeln zu verbinden und - ob gewollt oder nicht
- sich einen Reim darauf zu machen.
Der Versuch der Ausstellung, in dieser Weise einen Risikogleichstand
herzustellen, gelingt
jedoch nicht ganz; will man das eingegangene Wagnis, sich
der Rezeption von Kunst auszusetzen,
und das ihrer Produktion abwägen, kann am Ergebnis kein
Zweifel sein. Die KünstlerInnen treten
in ihren Arbeiten heraus aus der Relation zwischen dem, der
ein Instrument anwendet, und dem Werkzeug selbst. Die Reflexion
auf das verwendete Medium wird in unterschiedlicher Weise
sichtbar, doch in vielen Fällen sind offensichtliche
Strategien irreführend und die Ironie
vermeintlicher Thematisierungen stellt die BetrachterInnen
vor ein Dilemma. Die Thematik, in
welcher Weise sich Technologie und Erkenntnis gegenseitig
bedingen, ist in den ausgewählten
Arbeiten ebenso präsent, wie diese Ambiguität von
Intention und Präsentation.
Dabei bleiben die gezeigten Arbeiten nicht stehen bei der
Frage nach dem Produzieren und
Herstellen, auch ihre Auseinandersetzung mit der kuratorischen
Praxis, die als kollaborative und
prozessuale Aktivität parallel mit der künstlerischen
der eingeladenen AkteurInnen läuft, geht
einen Schritt weiter. Dick Francis thematisiert in dem Science
Fiction Roman „Ubik“ die Situation in
einer technologisierten Umwelt, die jede Erfahrung hinterfragbar
und zweifelhaft werden lässt. In
jeder Situation entstehen ungeahnte Möglichkeiten und
öffnen sich weitere Handlungsräume, die
sich jenseits des Raum-Zeit-Kontinuums unentwegt und unkontrollierbar
auftun und schließen.
Im heutigen Kontext der weit entwickelten datenverarbeitenden
Technologien, führt dies zu absurden
und unerhörten Phänomenen: Arbeiten sind vor ihrer
Beauftragung fertiggestellt oder sie können in
einer unendlichen Schleife gefangen nie zur Fertigstellung
gelangen. Als Reaktion auf diese Situation
gehen die Arbeiten in diesem künstlerischen Laboratorium
Wege jenseits des durch Lebenslauf oder
Werkverzeichnis festgelegten Begriffes künstlerischer
Produktion und wagen eine neue Qualität der
Interaktion mit dem sie vermittelnden Medium. Was durch das
textliche Material von
Ausstellungskatalogen, Broschüren und Pressetexten deliniert
wird, findet innerhalb ihrer Grenzen,
nämlich zwischen Zeichen und Bezeichnetem – der
Sprache also – statt. Dass die ausgestellten
Arbeiten genau innerhalb dieser Begrenzung arbeiten, schafft
eine Interferenz, die ohne Zweifel ein
gerütteltes Maß an Optionen offen lässt. Gleichzeitig
kann die Entstehung einer Salienz bestimmter
Elemente kaum vermieden werden. Vor diesem Hintergrund ist
die verstärkte künstlerische
Auseinandersetzung mit der Sprache als Medium zu verstehen.
Der Katalogtext und die
Presseerklärung ringt der Arbeit den Status dessen ab,
das erfahren werden muss, und gibt eine
Interpretation vor, der sie sich nur durch komplizierte Ambiguitäten
entziehen kann. Was die sie
begleitenden Texte als Merkmale von künstlerischen Arbeiten
herausarbeiten, wird durch ihre
Erfahrung absurd. Die Laboratoriumssituation dieser Ausstellung
bietet den eingeladenen
KünstlerInnen die Möglichkeit, sich auf bisher scheinbar
marginale Elemente, die bisher unerkannt
und in Folge nicht sprachlich gefasst wurden, einzulassen.
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